Die Essensmacher – Woher kommt unser Essen?

Die Essensmacher - Woher kommt unser Essen?

Als Antwort auf die Frage könnte man jetzt ganz plakativ „aus dem Supermarkt“ sagen. Aber das ist natürlich nicht die ganze Wahrheit.

Die Tomate im Supermarkt mag uns in ihrer roten Pracht anlächeln, aber welchen Weg sie hinter sich hat und welche Prozesse dahinter stecken – von der Saatbank zum vorbereiteten Feld. Die Zeit von der Keimung bis zur Pflanze. Die regelmäßige Bewässerung und die Ernte, an der viele Menschen beteiligt sind. Und dann noch der Transport, vielleicht sogar aus Italien oder Spanien in unseren Supermarkt. Ja, diese doch sehr aufregende Lebensgeschichte bleibt oft verborgen.

Ganz zu schweigen, von Produkten, denen man nicht gleich ansieht, welche Zutaten in ihnen stecken.

Die Verbindung zu unserer Nahrung fehlt uns. Wir haben vergessen, was das für eine Arbeit bedeutet, eine Pflanze großzuziehen und zu ernten. Und dabei nehme ich mich nicht raus. Ganz im Gegenteil.

Nestle & Co – Dein Freund und Helfer für’s schnelle Essen

Früher war das bei mir so: 

Am Wochenende wählten meine Mutter und ich das Mittagessen danach aus, welche Tüte uns im Supermarkt am ehesten zusagte. Dann mussten nur noch die fehlenden aufgelisteten Zutaten geholt werden und fertig war das Festmahl.

Wenn ich aus der Schule kam, war es ein ähnliches Spiel: Mein Griff ging dann zu einem Schrank, in dem mehrere bunte Tüten mit Fertiggerichten auf mich warteten. Die Zubereitung war denkbar einfach. Je nach Marke gab man einen halben Liter warmes oder kaltes Wasser in die Pfanne, lässt es kochen und fügt den Tüteninhalt mit Pulver und trockenen Nudeln hinein. Vielleicht waren da noch ein paar grüne Fitzelchen drin, die an Gemüse erinnerten – wenn man Glück hatte.

Und es hat geschmeckt. Komischerweise am besten, wenn es jemand anderes zubereitet hat. Und noch heute überkommt mich manchmal dieser Heißhunger nach diesem einen Geschmack. Der Geschmack der Industrie? Denn letztendlich war es so: Egal, welches Gericht man nahm, irgendwann schmeckte es doch gleich.

Dabei standen ursprünglich Menschen hinter Nestle und den anderen Firmen, die mit dieser Art Nahrung etwas Gutes tun wollten. Denn früher gab es vor allem für die ärmeren Menschen nicht immer nahrhafte und gleichzeitig günstige Nahrung. Deshalb musste etwas her, was schnell zubereitet und relativ nährstoffreich war. Vor allem für Säuglinge und kranke Personen war das oft lebensrettend. Als die ersten Produkte auf dem Markt waren, kamen dann auch andere Haushalte dahinter, wie praktisch es ist, Essen in wenigen Minuten statt in Stunden zuzubereiten.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Nach und nach entwickelte sich ein Profitstreben, das den lobenswerten Gedanken verdrängte und Expansion verlangte. Ein unvermeidlicher Begleiter war dabei die Werbung.

Marketing gehört zur industriellen Massenherstellung wie das Huhn zum Ei.

Historiker Gunther Hirschfelder aus „Geschichte der Ernährung“

Denn bei einer Möhre muss uns keiner sagen, dass sie gut und gesund ist. Bei den Fertigprodukten wissen wir zum einen nicht einmal, dass sie existieren, bis wir sie in der Werbung sehen und zum anderen müssen wir erstmal überzeugt werden, was für Vorteile diese Art Ernährung mit sich bringt und wie vital und kraftvoll wir uns danach fühlen.

Le Monde – Die Essensmacher

Mich überkam es nicht plötzlich, meine alten Essensgewohnheiten zu analysieren und zum Thema Fast Food zu recherchieren. Die Geschichte hinter Nestle habe ich aus einem Artikel erfahren. Einem Artikel aus dem Themenheft Die Essensmacher von Le Monde.

Le Monde diplomatique ist eine Zeitung, die ursprünglich in Frankreich herauskam, mittlerweile aber auch in anderen Ländern wie zum Beispiel Deutschland. Es geht um internationale Politik, wobei die Themen sehr breit gefächert sind. Ihr Hauptanliegen liegt aber darin, das Bewusstsein für die globalen Ungerechtigkeiten zu schärfen.

Halbjährlich kommen sogenannte Themenhefte heraus, in denen zu einem Thema Artikel aus verschiedenen Zeitungsausgaben und aus verschiedenen Ländern gesammelt werden.

So auch das Themenheft „Die Essensmacher“. Denn Ernährung wird immer wichtiger und ist in aller Munde (haha).

Aber mit der Relevanz steigt auch die Unsicherheit: Was ist gute Ernährung? Wo kommt unser Essen her? Wie nachhaltig ist unsere Ernährung für unsere Gesundheit und für den Planeten? Wie fair und sozial gerecht ernähren wir uns?

Alles Themen, die dieses Heft in der einen oder anderen Form behandelt.

Woher kommen unsere Lebensmittel?

Dass man mal darüber reden würde, woher unsere Lebensmittel kommen, ist sicherlich paradox. Vor ein paar Jahrhunderten hättest du gesagt: Vom Feld. Vielleicht hättest du sogar die Bauernfamilie gekannt, die die Früchte angebaut haben.

Heute ist es nicht mehr so einfach, weil logischerweise die Nahrung von überall kommen könnte. Das ist zum Beispiel ein Thema bei Tomaten oder Soja.

Da fängt es bei den Tomaten schon an, dass sie absurderweise ganzjährig in unseren Supermärkten zu finden sind. Saison haben sie aber nur im Sommer und Herbst. Dass diese ganzjährige Verfügbarkeit einhergeht mit Unmengen an Wasserverbrauch, weiten Transportwegen und schlechten Arbeitsbedingungen sieht man den Tomaten nicht an.

Falls dich das genauer interessiert, gibt es zusätzlich zu dem Artikel „Der rote Einheitsbrei“ in Die Essensmacher auch ein tolles Feature von Slow Food Deutschland zu dem Thema. Vor allem die schlimmen Arbeitsbedingungen bei der Tomatenernte werden dort angesprochen und wie genau unsere Discounter dieses Problem verstärken.

Soja – die Wunderbohne?

Das andere Beispiel ist Soja. Auch Soja hat meist weite Transportwege hinter sich. Und das, obwohl der Bedarf da ist und es auch hier angebaut werden könnte. Die Deutschen essen durchschnittlich auf direkte und hauptsächlich indirekte Weise mehr Soja als Kartoffeln oder Brot. Das zeigt sich auch in den Zahlen: im Jahr 2018 wurden 4,2 Millionen Tonnen importiert, aber nur 30.000 Tonnen hier angebaut.

Warum wurde mehr importiert? Bekanntermaßen wird das meiste Soja in Brasilien angebaut, da die Sojabohne dort sogar zweimal im Jahr geerntet werden kann. In Deutschland ist es den meisten Bauern zu riskant, da die Qualität sehr stark schwankt. Außerdem ist das brasilianische Soja, welches zumeist genverändert ist, günstiger. Viel günstiger.

Heute gilt: Je weiter etwas transportiert wird, desto billiger ist es.

Landwirt Reinhard Bauer – Die Wunderbohne aus „Die Essensmacher“

In Deutschland aber warten die Tiere, für die der Großteil des Sojas gebraucht wird. Es ist einfach ein günstiges Nahrungsmittel, was gleichzeitig voller wertvoller Nährstoffe ist. Und der Bedarf steigt, obwohl der Fleischkonsum in Deutschland eher sinkt. Das wiederum liegt daran, dass der Bedarf zum Beispiel in China sehr stark steigt. Das meiste in Deutschland produzierte Fleisch wird exportiert.

Also es ist ein unglaublich komplexes Gebilde, von dem ich jetzt nur die Eckdaten genannt habe. Deutlich wird, dass da ein ziemlich verzwickter Kreislauf entsteht. Ein Kreislauf, der die Natur nicht nur durch CO2 und Wasserverbrauch belastet, sondern auch ein gefährliches Ungleichgewicht im Boden entstehen lässt.

Mit den Sojaimporten gelangen gewaltige Nährstoffmengen nach Europa, die Gülle der gemästeten Tiere geht aber nicht wieder zurück. Sie wird in der Nähe der Mastbetriebe verteilt, die enthaltenen Nährstoffe reichern sich im Boden an – und landen als Nitrat im Grundwasser.

Dirk Asendorpf – Die Wunderbohne aus „Die Essensmacher“

Unserem Grundwasser geht es immer schlechter. So schlecht, dass das Europäische Gerichtshof Deutschland verurteilt hat. Mehr dazu in diesem Artikel der Süddeutsche.

Und das „nur“ wegen einer einfachen Sojabohne – oder eher Millionen davon. Es ist unglaublich interessant zu lesen, welche Zusammenhänge da eine Rolle spielen. Dieser Artikel war einer der besten in Die Essensmacher und mir wurde nochmal bewusst, was für ein komplexes Gebilde unsere Umwelt ist. Alles, was wir tun, hat irgendwo einen Einfluss. Das haben viele nur vergessen.

Bezug zur Ernährung wiederherstellen

Aber dieses „Alles ist miteinander verbunden“-Gefühl kann man ja auch wieder lernen. Zum Beispiel durch Schulgärten. Denn wie kann ein junger Mensch am besten lernen, woher das Essen kommt, wenn nicht dadurch, dass er es selber anbaut?

Die Schüler lernen, wann was Saison hat oder im ersten Schritt, dass nicht jedes Gemüse immer Saison hat. Außerdem lernen sie, dass es ganz schön viel Arbeit bedeutet, bis man das Gemüse letztendlich essen kann. Sie lernen auch, was man alles essen kann – Stichwort: From Leaf to Root. Ein spannender Ansatz, der sich als vegetarisches Gegenstück zu From Nose to Tail versteht, in dem alle Bestandteile des Tieres bzw. der Pflanze genutzt werden, um keine Lebensmittel zu verschwenden.

Schulgärten sind ein tolles Konzept, was langsam aber sicher deutschlandweit ins Rollen kommt. Spannenderweise ist „Schulgarten“ in Thüringen sogar noch ein Pflichtfach. In anderen Ländern noch nicht. Aber was nicht ist, kann hoffentlich noch werden.

Hofläden im Kommen

Ein anderer Ort, an dem man wieder etwas mehr mit Lebensmittel und deren Entstehung zusammenkommt, ist der Hofladen. Im besten Fall kann man dort mit denjenigen reden, die an dem ganzen Prozess von Saat bis Ernte beteiligt waren und genau wissen, was da vor einem liegt. Man kommt wieder ins Gespräch mit anderen Menschen und unterstützt regionale Handwerker, also zum Beispiel die Metzgerei oder Käserei.

Klingt wirklich idyllisch und lobenswert. Doch der Artikel in dem Themenheft hat einen bitteren Beigeschmack: Der Einkauf im Hofladen ist nicht immer so nachhaltig, wie er auf dem ersten Blick erscheint.

Die Kunden seien sehr unterschiedlich. Manche müssten genau gucken, wie sie mit ihrem Geld klarkommen. Bei anderen sei der Einkauf auf dem Biohof auch Statussymbol. Die kämen mit ihren „ganz schön lauten Geschossen“ vorbeigefahren.

Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Johanna Böse-Hartje – Kuhten Tag aus „Die Essensmacher“

Zwei Probleme zeigen sich. Zum einen ist es nicht für jeden möglich jede Woche die vielleicht etwas teureren und hochwertigeren Produkten zu kaufen (Kommt natürlich auf den Hofladen an). Das heißt, selbst wenn sie wollen würden, könnte sich das nicht jeder leisten. Und zum anderen ist der Hofladen oft außerhalb der Stadt – eben beim Bauern. Und klar ist es toll, dass Stadtmenschen kommen und dort etwas kaufen. Aber wird dieser gute Willen nicht schon dadurch geschmäht, dass man für ein paar Kilometer oder auch ein paar mehr das Auto bewegt? Wäre es da nicht noch CO2 schonender auf das Auto zu verzichten und im Laden um die Ecke nicht den Apfel vom regionalen Bauer zu kaufen, sondern den, der mit vielen anderen Äpfeln aus 100km Entfernung kommt? Es mag vielleicht etwas kleinlich erscheinen, aber ich finde, diesen Aspekt sollte man im Blick haben und mit sicher selber klären.

Blick über den Tellerrand in andere Länder

Ernährung betrifft jeden. In Die Essensmacher wird auch in andere Länder geschaut und sich dort die Essenskultur angesehen. Sehr spannend in dem Zusammenhang finde ich den Artikel über Indien: „Das vegetarische Diktat“.

Es geht um die vielen Widersprüche in Indien. Angefangen damit, dass immer mehr der indischen Bevölkerung Fleisch essen. Gleichzeitig hat die Regierung aber die vegetarische Ernährung staatlich verordnet. Das geht so weit, dass sogar in Mietverträgen steht, dass der Mieter nur vegetarisch in der Wohnung kochen darf. Andernfalls könne es sogar zu einer Kündigung führen.

Und der zweite, viel gravierender Widerspruch: Obwohl Indien genug zu essen hat, leben über die Hälfte aller unterernährten Kinder auf der Welt dort. Und es nehmen sich regelmäßig Bauern das Leben aufgrund niedriger Erzeugerpreise und somit geringem Einkommen.

Es besteht offensichtlich ein Verteilungsproblem in Indien. Doch wie kam es dazu? Und wie entstand der Mythos dieser vegetarischen Tradition, die schon lange widerlegt wurde? Antworten findest du in dem Artikel – wirklich unglaublich interessant.

Indien gehört zu einem der am stärksten wachsenden Ländern. In dem Zusammenhang wird auch oft die Frage gestellt: Wie viele Menschen kann unsere Erde ernähren? Sind es vielleicht jetzt schon zu viele Menschen?

Gibt es genug Essen für alle?

Zu dieser Frage gibt es einen weiteren sehr sehr lesenswerten Artikel, in dem Benny Härlin – Betreiber des Weltackers in Berlin – interviewt wurde. Der Titel des Artikels: „Ich wehre mich gegen die Vorstellung: je mehr Menschen, desto schlimmer“. Begründen tut er diese Aussage mit dem Fakt, dass auf der für jeden verfügbaren Fläche von 2000m2 viel mehr wächst als einer allein verbrauchen würde. Das Problem liegt also nicht am Platz, sondern an der Überbeanspruchung von Boden und Ressourcen, die dazu führen, dass immer mehr an Potenzial verloren geht.

Dabei kann Landwirtschaft so viel mehr. Vorausgesetzt es wird richtig umgesetzt, werden Unmengen an Emissionen gespart und sie kann bei der Speicherung von Kohlenstoff helfen. Außerdem hilft eine richtige Bewirtschaftung für eine ausreichende Diversität, was wiederum dem Boden guttut. Und richtig bewirtschaftet, ist auch genug für alle da, sodass der Hunger besiegt werden kann.

Das enorme positive Klimapotenzial der Landwirtschaft wird bisher viel zu wenig beachtet.

Benny Härling – „Ich wehre mich gegen die Vorstellung: je mehr Menschen desto schlimmer“ aus „Die Essensmacher“

Positiv ist, dass da also noch viel Luft nach oben ist. Eine nachhaltige Landwirtschaft kann ein entscheidender Faktor beim Thema Klimawandel sein – und bei den sozialen Missständen sowieso. Hier wird auch der enge Zusammenhang zwischen Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit klar. Das eine beeinflusst das andere. Und wollen wir eine Lösung für das eine Problem finden, muss auch das andere beachtet werden.

Diese Frage, ob genug für alle da wäre und die eventuellen entstehenden Konsequenzen sind ein heikles Thema. Ein anderes kontroverses Thema ist die Grundsatzfrage, ob der Mensch sich über andere Tiere stellen und sie essen darf. In einem Artikel von Die Essensmacher wird genau das beleuchtet.

Tiere essen

Es ist ein schwieriges Thema und ich habe da ehrlich gesagt auch noch nicht meine 100%ige Lösung gefunden. Für mich schon, aber nicht für die Allgemeinheit. Fakt ist, wir essen zu viel Fleisch. Das muss sich auf jeden Fall ändern, um Klima und auch soziale Ungerechtigkeiten einzudämmen.

Die Frage, ob der Mensch Tiere essen muss, wird auch sehr kontrovers diskutiert, aber meiner Meinung nach gibt es da kein Schwarz oder Weiß. Der frühere Mensch war sowohl Allesfresser, als auch Vegetarier. Je nach Volk, die es damals auf der ganzen Welt verteilt gab, gab es sicher welche, die Fleisch aßen und welche, die es nicht taten (Sehr spannend und ausführlicher zu lesen in „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari).

Aber es geht in dem Artikel eher um den Punkt, ob der Mensch es überhaupt darf. Darf er Tiere essen?

Und auf diese Frage habe ich wirklich keine Antwort. Für mich darf er es jedenfalls nicht so, wie es jetzt allgemein abläuft. All diese Quälereien, Unterdrückungen und anormalen Lebensumstände dürfen nicht sein. Aber ob man es grundsätzlich darf oder nicht darf? Puh, ich weiß es nicht.

Wir sollten das einfach nicht selbstverständlich sehen, dass wir Tiere essen. Und schon gar nicht in dieser Menge. Keine Ahnung, ob die Lösung darin besteht, Dankensrituale vor dem Essen abzuhalten. Wenn es hilft, okay. Aber vielleicht finden wir doch einen Weg, wie man auch hier das Bewusstsein wiederherstellen kann, woher unser Essen eigentlich kommt. Und dass es nicht selbstverständlich ist.

Können wir beeinflussen, woher unser Essen kommt?

Nach diesen doch eher etwas bedrückenden Themen kommen wir zurück auf unseren Teller. Genauer gesagt zu der Macht, die wir besitzen, in dem wir entscheiden, was auf den Teller kommt.

Das ist für mich immer wieder ein Thema: Macht es überhaupt einen Unterschied, wenn ich darauf achte faire Produkte zu kaufen? Ursula Hudson, die verstorbene Vorsitzende von Slow Food Deutschland, hat über diese Frage einen tollen Artikel geschrieben.

Dabei beginnt er sogar etwas entmutigend: Wie geht es rein logisch, dass man in diesem Überfluss an Lebensmitteln im Supermarkt den Überblick behält? Man muss ständig bedenken, woher diese Tomate kommt. Deutschland? Oder Italien? Mit fairen Arbeitsbedingungen oder mit sehr schlechten? Bekommt der Bauer genug für seine Produkte? Oder geht der Händler als Gewinner aus dem Geschäft raus? Diese und noch weitere Fakten können wir nicht immer unbedingt wissen. Es gibt Siegel und Zertifikate, die uns helfen, aber das sind zu oft auch nur Versprechen – Stichwort Greenwashing.

Um die Kompetenz der Verbraucher zu stärken, damit sie bei der Lebensmittelauswahl zwischen „Gut und Böse“ unterscheiden und durch ihr Alltagsverhalten tatsächlich das Lebensmittelsystem positiv beeinflussen, brauchen wir ein ehrliches Bezeichnungsrecht.

Ursula Hudson – Otto Moralverbraucher aus „Die Essensmacher“

Also ja, es ist schwierig die Kontrolle zu behalten. Aber dennoch sollten wir mehr und mehr unsere Verantwortung sehen. Dass das funktioniert und auch politisch etwas bewirkt, sieht man bei der Käfighaltung oder einem aktuellen Beispiel dem Kükenschreddern, was Ende dieses Jahres verboten werden soll. Dort wurde der Aufschrei in der Gesellschaft immer größer. So groß, dass die Politik reagierte.

Gesetze helfen zwar, haben jedoch ihre Grenzen. Den Menschen vorzuschreiben, dass sie nur noch einmal die Woche Fleisch essen dürfen und nur am Wochenende Produkte, die mehr als fünf Zutaten haben – das wird sicherlich nicht funktionieren.

Auch was die Exporte angeht – wie vorhin erwähnt, werden die meisten hier gemästeten Tiere zu Ländern wie China exportiert – auch dort haben wir nur begrenzt Einfluss.

Da müssen Politik und Wirtschaft eingreifen. Doch auf sich selbst zu achten, heißt nicht automatisch, dass politisch alles so bleiben kann, wie es ist. Man kann Bewusstsein schaffen, darüber reden, Petitionen unterschreiben… Alles ist ein relativ begrenzter Aufwand und je mehr ich merke, wie gut es mir selber tut, hochwertige und faire Produkte zu essen, desto leichter fällt es mir, für diese Sache einzustehen.

Fazit

Ein sehr langer Beitrag zu einem sehr komplexen Thema. Essen ist mehr als der Moment, in dem du dir die Gabel in den Mund steckst. Essen ist politisch, gesellschaftlich, kann nachhaltig sein und für Gerechtigkeit sorgen – oder eben nicht.

Und es ist Selfcare. Denn das, was man isst, macht viel mit einem. Es ist der Treibstoff unseres Körpers und wir sollten keinen Müll in uns reinstopfen.

Ganz im Sinne von Slow Food sollte Essen gut, sauber und fair sein.

Die Essensmacher hat mir das in kompakter Zusammenstellung nochmal gezeigt. Ich habe hier bei weitem nicht jeden Artikel und jedes Thema angeschnitten. Es geht noch um so viel mehr in diesem Themenheft: Lebensmittelverschwendung, Zuchttiere, Aquakultur, Bienen…

Ich habe viel Neues gelernt und Altes gefestigt. Nicht jeder Artikel ist richtig gut, aber viele sind herausragend. Wenn dich das Thema Ernährung und auch die Prozesse dahinter interessieren, dann lies dieses Themenheft unbedingt. So ein breitgefächertes und kompaktes Buch kenne ich zu dem Thema sonst noch nicht.

Also unbedingt lesen, darüber nachdenken und beim nächsten Einkauf, die Tomate doch liegen lassen, denn die hat gerade wirklich keine Saison 😉

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