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Wachstumsschmerz – Warum Erwachsen werden nicht immer einfach ist

Wachstumsschmerz - Erwachsen werden

Wie du denkst du über das Erwachsen werden? Wie würdest du erwachsen sein definieren, also ab wann ist man erwachsen? Kann dieser Prozess überhaupt je zu Ende sein? Und wann fängt man damit an erwachsen zu werden?

Ich glaube, es geht ab der Pubertät los. Man bekommt immer mehr Verantwortung und einer verstärktes Bewusstsein für seine Handlungen und für die eigene Zukunft.

Wenn man dann in den Zwanzigern ist, gibt es so einen schönen Spruch, der sagt: In deinen Zwanzigern bist du alt genug die richtigen Entscheidungen zu treffen, aber immer noch jung genug, um Fehler zu machen. Was so viel heißt, dass du in der Zeit dich ausprobieren darfst und sollst. Es ist die Zeit, wo sich viele von uns finden und ausprobieren.

Aber was kommt dann?

Ich stelle mir das so vor, dass man mit 30 dann mitten im Leben steht. Dass man dann erwachsen ist. Man weiß, was man vom Leben will und ist in seiner inneren Mitte. So habe ich mir das immer vorgestellt und erhofft. Dass das aber nicht immer so laufen muss, habe ich dann nach dem Lesen des Romans „Wachstumsschmerz“ von Sarah Kuttner gemerkt.

Für wen ist dieses Buch?
Dieses Buch* ist für dich, wenn du auf der Suche nach einem Roman bist, der sich mit dem Thema Erwachsen werden und der Suche nach dem Sinn des Lebens beschäftigt.

Wachstumsschmerz – Das Buch

Das Buch handelt von einem Paar namens Luise und Flo, welche beide Anfang 30 sind und zusammen möchten. Die beiden sind schon ein paar Jahre zusammen und dann macht man das ja so. Den nächsten Schritt in Richtung Erwachsensein gehen: Man zieht zusammen.

Schon früh wird klar, dass die beiden sich nicht zu 100% sicher über die Entscheidung sind. Bei Wohnungsbesichtigungen ist Flo immer etwas zu erleichtert, wenn die Wohnung nicht in Frage kommt. Obwohl die beiden die meiste Zeit als ein sehr harmonisches Paar dargestellt werden. In dem Monolog von Luise wird vor allem am Anfang deutlich, wie verliebt sie in Flo ist und welche Eigenarten sie so zu schätzen weiß. Die beiden sind glücklich.

Dann haben sie eine Wohnung gefunden und die beiden finden sich in einer neuen Situation wieder. Ziemlich schnell wird klar, dass da einiges im Argen ist. Luise selbst ist sehr unzufrieden mit ihrem Leben. Sie arbeitet als Schneiderin für Männeranzüge und nebenbei wird sie manchmal von einer Agentur zu Castings eingeladen. Diese Castings findet sie ätzend, das weiß auch ihre Chefin. Schon sehr früh am Anfang des Buches fragt man sich als Leser, warum sie den Job nicht einfach kündigt. Auch Luise fragt sich, ob da nicht noch mehr ist. Soll das jetzt alles gewesen sein? Wird sie für immer als Schneiderin für ältere Herren tätig sein? Oder soll sie vielleicht doch eine eigene Kollektion entwerfen, so wie all ihre Kolleginnen? Aber irgendwie fehlt ihr doch der Ehrgeiz. Wozu soll sie das machen?

Wir spielen erwachsen wie die Großen, und es fetzt, und wir haben doch noch so viel Zeit!
Und jetzt, zehn Jahre nach dieser Hysterie, bekommen wir den Kater, der uns zusteht.

Luise von „Wachstumsschmerz“

Von Flo’s Gefühlsleben kriegt sowohl Luise als auch der Leser nicht allzu viel mit. Luise ist oft zickig zu ihm. Aber anstatt etwas zu sagen und ihr seine Grenzen aufzuzeigen, sagt Flo gar nichts und schluckt es herunter. Obwohl Luise sich sehr wünschen würde, dass ihr Grenzen aufgezeigt werden. Auch als Leser habe ich mir das manchmal gewünscht, da ihr zickiges Verhalten etwas genervt hat.

Luise hat immer mehr das Gefühl eingeengt zu werden. Statt Luise gibt es nur noch ein Wir und sie wird immer unzufriedener und emotionaler. Schon am Anfang gibt es einzelne Kapitel, die in der Zukunft geschrieben werden. Diese Memos lassen schon erahnen, dass die beiden zumindest auf Zeit getrennt wohnen werden.

Wie das ausgeht, liest du dann in dem Buch 🙂

Erwachsen werden und sich selbst finden

Die Third Life Crisis

Luise und auch Flo befinden sich jeder auf seine Weise in der von Luise sogenannten Third Life Crisis. Quarterlife und Midlife Crisis kennst du sicher. Die Third Life Crises dagegen findet im Drittel des Lebens statt.

Wenn man dem Standard glauben mag, wäre es an der Zeit sesshaft zu werden, vielleicht schon ein Kind zu bekommen und/oder die Karriereleiter aufzusteigen. Doch in dieser Krise fragt man sich eher, ob man überhaupt noch in diesem Job bleiben möchte oder ob man überhaupt ein Haus bauen will. Und man weiß die Antwort einfach nicht. Und das gibt einem zugleich das Gefühl, dass die Zeit davon läuft. Wenn man sich nicht jetzt entscheidet, wann dann?

Bei Luise sind diese Gedanken besonders ausgeprägt. Sie trifft aber keine Entscheidungen wie zum Beispiel den Job zu wechseln, sondern schwimmt mit dem Strom ohne zu gucken, ob sie in die selbe Richtung will. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich zwar mit ihren Gefühlen beschäftigt, aber nicht in einer aktiven Weisen, sondern reaktiv. Statt etwas neues zu probieren, aus der Komfortzone zu gehen und Entscheidungen zu treffen, lässt sie sich völlig in ihren Gefühlen gehen.

Was ja per se auch nicht schlecht ist. Im Gegenteil. Ich glaube man benötigt sogar diese Zeit, in der man merkt, was einem in seinen Leben nicht gefällt. Sodass man dann nach dieser Reflexionsphase in die Handlungsphase übergehen kann und weiß, was man ändern möchte. Aber es ist das Wichtigste, dass man in das Handeln kommt und etwas macht. Meistens läuft es dann ganz von selbst, wenn man einmal angefangen hat.

Wann ist man erwachsen?

Aber ist man dann erwachsen? Kann man je erwachsen sein? Ich finde das sehr schwierig, denn ich glaube diese Selbstfindungsphase ist nicht davon abhängig wie erwachsen du bist. Die Phase ist persönliche Weiterentwicklung und das hört nun mal nie auf.

Also ja, wann ist man dann erwachsen? Ich bin Anfang 20 und fühle mich noch nicht sehr erwachsen. Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, ob das jemals ein Adjektiv sein wird, mit dem ich mich beschreiben möchte. Ich verbinde Erwachsensein nicht nur mit positiven Dingen, sondern auch mit übermäßiger Ernsthaftigkeit, gehetzt fühlen und keine Freude haben. Das ist natürlich eine sehr subjektive Sicht, aber was auf jeden Fall stimmt, findest du in diesem Zitat:

Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.

Erich Kästner

Fazit

Das mit dem Erwachsen werden ist wirklich schwierig. Ich denke jeder muss sich die Frage selbst beantworten, ab wann man erwachsen ist. Vermutlich hat man es irgendwann im Gefühl. Solange man nicht vergisst Kind zu sein und auch die Dinge nicht allzu ernst nimmt. Auch sein Leben nicht. Denn wir haben nur eins und das wollen wir alle sicher möglichst positiv erleben.

Buchinformation
Titel, AutorWachstumsschmerz –
Sandra Kuttner
ISBN978-3596194179
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl288 Seiten
Kaufenals Buch*, Ebook* oder Hörbuch*

Ich hätte vorher nicht gedacht, dass man sich darüber so viele Gedanken machen kann. Aber das Buch „Wachstumsschmerz“ von Sandra Kuttner hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Es ist eine schöne, aber auch teilweise traurige Geschichte über ein Paar, was sich noch finden muss. Manchmal war Luise wirklich etwas anstrengend, aber andererseits verkörpert sie gut dieses Bild von einem Menschen, der mitten in seinem Leben ist und feststeckt. Oft konnte man sich damit zumindest teilweise identifizieren.

Wer sich auch mit dem Thema Erwachsensein und erwachsen werden beschäftigt, sollte dieses Buch lesen. Egal in welchem Alter du bist.

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