Interview mit Michi Schreiber – Affis Adventures

Michi Schreiber

Michi ist vor fünf Jahren das erste Mal als Freiwilligenhelfer nach Afrika gereist. Bei der ersten Station hat sie schlimme Erfahrungen gemacht, denn diese war alles andere als für den Tierschutz. Sie wollte fast zurück nach Deutschland reisen, doch ein Glück kam sie vorher zu einer Station, die Affen betreute und wurde dort die Ziehmutter eines kleinen Affenbabys. Geprägt von diesen Erfahrungen hat sie sich dazu entschlossen ihren Weg dem Tierschutz und den Affen zu widmen und hat mit ihrem Mann die Organisation Affis Adventures ins Leben gerufen, welche Freiwilligenhelfer an Tierschutzprojekte vermittelt.

Über Affis Adventures und Michi’s Weg dahin sprechen wir in diesem Interview.

Vielen lieben Dank für deine Zeit. Magst du dich den Lesern kurz vorstellen?

Ich bin Michi, ich bin 23 Jahre jung und jetzt seit fünf Jahren als Tierschützerin in Afrika aktiv. Da arbeite ich mit verschiedenen Affenarten zusammen, bevorzugt mit Pavianen und Meerkatzen und bin jetzt dabei meine eigene Tierschutzorganisation aufzubauen.

Wie hast du gewusst, dass Affen und auch der Tierschutz genau das Richtige für dich sind?

Michi Schreiber und Affe

Am Anfang gar nicht (lacht).
Also es sollte am Anfang wirklich nur eine einmalige Erfahrung für mich werden. Aber als ich dann in Afrika war und in einer Affenstation das erste Mal mitgearbeitet habe, habe ich mein Herz verloren. Da war mir einfach nur klar, das ist auf jeden Fall was, was ich mein Leben lang machen will und was sich durch mein Leben ziehen soll. 

Das hat dann aber nochmal fünf Jahre gedauert bis ich mich dazu entschlossen habe eine Tierschutzorganisation zu gründen, bis ich die Erfahrung dafür hatte und auch das Wissen.

Es hat sich eher entwickelt, also es war nicht von vornherein der Plan.

Hast oder hattest du auf diesem Weg manchmal Zweifel, dass es nicht das Richtige ist oder ob du dir nicht einen „sicheren“ Job wünscht, was auch immer das heißen mag?

Ich studiere Lehramt und das auch noch zu Ende. Ich habe das angefangen, um eben diesen sicheren Job zu haben und den Tierschutz vielleicht als Hobby nebenbei zu betreiben.
Aber ich habe einfach gemerkt, dass mir einmal im Jahr vier Wochen Urlaub bei den Affen nicht reicht. Das füllt mich nicht aus. 
Dann habe ich angefangen einen Blog zu schreiben und habe versucht das anders unter einen Hut zu bekommen. Aber je länger ich diese Doppelbelastung hatte, umso mehr habe ich festgestellt, dass es nicht das Richtige ist. Und eigentlich will ich mich für den Tierschutz einsetzen und keine Lehrerin werden. Auch wenn ich Kinder toll finde und auch wenn ich gerne mit ihnen arbeite, ist es nicht das, wo mein Herz aufgeht.

Also das ist sozusagen der Plan B?

Ja das ist der Backup Plan (lacht).
Wenn man mit anderen Leuten über den Tierschutz spricht, ist es oft so, dass sie fragen, ob man damit Geld verdienen kann und ob ich glaube, dass es wirklich das Richtige ist. Oder ob ich das nicht in 50 Jahren, kurz vor der Rente, bereuen werde. Ich habe mich dann ein bisschen beeinflussen lassen und deshalb das Lehramt Studium begonnen.
Aber das war auch gut so, weil ich so festgestellt habe, dass der Tierschutz und die Affen das sind, was ich machen will.

Das ist sehr faszinierend, dass du allen Zweifeln trotzt und so stark dafür arbeitest, um auch davon leben zu können.

Es ist auch wirklich anstrengend für die Organisation Konzepte auszuarbeiten und da das auch international ist, ist es ziemlich viel Arbeit.
Aber ich glaube der Leidensdruck war irgendwann so groß, dass ich gesagt habe: „Ich will das machen. Das ist das, wofür ich brenne.“ Und dann habe ich mich an die Leute erinnert, die meinten, ob ich es nicht in 50 Jahren kurz vor der Rente bereuen werde. Und da habe ich dann gedacht, dass ich es bereuen würde, wenn ich mein Leben nicht dem Tierschutz gewidmet habe.

Ich würde auch gerne noch ein bisschen über deine Organisation sprechen. Sie ist für die Vermittlung von Freiwilligenarbeit für Affen im Speziellen gedacht, richtig?

Michi Schreiber

Genau, sie soll Freiwilligenhelfer an Tierschutzprojekte vermitteln. Der Fokus liegt auf Affen, weil ich keine Expertise mit anderen Tieren besitze. Ich habe jetzt seit fünf Jahren mit Affen gearbeitet, ich habe da einige Fortbildungen gemacht und auch ganz viele praktische Erfahrungen gesammelt. Das heißt, wenn ich so ein Projekt besuche, sehe ich, ob sie dort gute oder schlechte Arbeit machen und ich kann dann auch kritische Fragen stellen, wenn etwas ein bisschen fragwürdig erscheint.
Aber wenn ich jetzt in eine Löwenstation kommen würde, da wäre ich wie ein Laie, ich habe da einfach keine Ahnung. Deswegen fokussieren wir uns auf Affen, weil wir die Nachhaltigkeit prüfen und gewährleisten wollen und das geht eben nur bei den Primaten.

Möchtest du das dann irgendwann ausbauen?

Ja, wenn ich Leute finde gerne. Momentan bin ich in Kontakt mit einer Frau, die sich unfassbar gut mit Schildkröten auskennt und da Freiwilligenarbeit gemacht hat.
Das heißt, wenn ich weitere passionierte Menschen für andere Projekte wie jetzt für Schildkröten, Löwen oder für andere Tierarten finde, dann würde ich die auf jeden Fall sehr gerne mit ins Boot nehmen.
Meine Passion bleibt der Affe, aber das heißt nicht, dass ich das nicht in irgendeine Richtung ausbauen möchte, wenn die richtigen Menschen meinen Weg kreuzen.

Wie kann man sich die Organisation genau vorstellen? Was macht sie anders als andere? Wie würde das ablaufen, wenn ich mich zum Beispiel als Freiwillige bei euch melden würde?

Ich glaube, der größte Unterschied ist eigentlich das, was vor der Vermittlung abläuft. Denn wir prüfen die Projekte vor Ort für mehrere Wochen.
Wir haben jetzt vier Projektpartner, die ich besuchen werde, sobald es wieder möglich ist. Ich werde dann drei oder vier Wochen in jedem Projekt selbst mithelfen und vor Ort sein, um wirklich zu wissen, was die Freiwilligen erwartet und um auch gewährleisten zu können, dass die Projekte nachhaltig sind.

Denn ich habe damals die Erfahrung gemacht, dass ich mit einer großen deutschen Organisation Freiwilligenarbeit gebucht habe und dann aber in einem Projekt gelandet bin, das nicht für den Tierschutz war. Im Gegenteil, die Jungtiere, die dort aufgezogen wurden, wurden im Jagdtourismus weiterverkauft. Und wenn man sehr viel Geld bezahlt hat und davon ausgeht, dass man Tieren hilft und man sitzt dann in Afrika auf einer abgelegenen Farm und merkt auf einmal, wo man gelandet ist… Das würde ich keinem wünschen.

Und viel schlimmer war eigentlich, dass diese Organisation, die mich vermittelt hat, keine Ahnung davon hatte. Also die sind auch davon ausgegangen, dass das ein Tierschutzprojekt ist, aber dadurch, dass sie das nie geprüft haben, nie vor Ort waren und das mit fast allen ihren Projekten so abläuft, können sie halt überhaupt nicht gewährleisten, wo sie die Leute hinschicken.

Und das ist schon krass, wenn man sieht, wie hoch die Provision ist, die die deutschen Organisationen bekommen und ich mich dann frage wofür, wenn die Leute nicht vor Ort waren und das nicht geprüft haben, sondern sich vielleicht nur die Infos per PDF haben schicken lassen und dann auf einer Webseite verpacken. Das ist für mich eine Katastrophe und sollte so auch nicht ablaufen, denn das macht den Ruf von Freiwilligenarbeit komplett kaputt.

Michi Schreiber Volunteering

Und das soll bei uns einfach anders sein. Wir sind vor Ort, wir schauen uns die Stationen mehrere Wochen an und lassen uns auch nachweisen, wie sie arbeiten. Also ob sie die Tiere auswildern, wo sie das machen und wie die Strategie ist.
Erst nachdem wir da waren und ich die Station für gut befunden habe und die Station auch denkt, dass ich genug Ahnung habe und sie mit mir zusammenarbeiten wollen, findet eine Kooperation statt. Und erst viel später, wenn das alles geregelt ist, können wir Helfer dahin schicken.

Dann wünsche ich mir noch, dass die Vermittlung ein bisschen individueller ist. Ich habe damals nur PDFs und ein Email Paket bekommen. Deswegen habe ich jetzt alles mit ganz viel Liebe gestaltet und auch die Leute vom ersten Projekt, wo ich schon war, mit eingebunden.
Mir wurde damals empfohlen, ganz viele weiße Klamotten mitzunehmen, da einem darin nicht so warm wird. Dann hatte ich nur weiße T-Shirts mit und wenn man sich weiß in die Wildnis Afrikas stellt… Das ist eine absolute Katastrophe, um ehrlich zu sein (lacht). 

Und auch die Station ist einfach frustriert. Vor allem Tierschutzstationen kriegen irgendwelche Leute, die denken, dass sie in den Urlaub fahren, weil sie gesagt bekommen haben, dass man nicht so viel arbeiten muss und die meiste Zeit mit den Tieren kuscheln kann.

Allein um diese Unzufriedenheit auf allen Seiten aufzulösen und um eine nachhaltige Organisation zu gründen, die sich dann wirklich für den Tierschutz einsetzt, gründen wir unsere. Das ist so unsere Motivation und das Ziel.

Und wie geht es jetzt damit weiter? Ich glaube, ihr habt jetzt eine große Herausforderung mit der Corona-Krise, aber wie ist denn der Plan für das Jahr?

Der Plan ist, dass wir erstmal schauen, wie sich die Situation entwickelt. Denn wir hatten eigentlich vor im November zu starten. Aber wir gehen davon aus, dass das nicht mehr klappt.
Uns ist es aber auch wichtiger, dass wir die Projekte vorher geprüft haben. Das heißt, erst wenn das Reisen für uns wieder möglich sein wird und wir vor Ort waren, können wir die Organisation starten.
Für ein Projekt war ich jetzt schon vier Wochen unten, bevor das alles anfing und mit denen habe ich die Verträge abgeschlossen und auch ein Handbuch angelegt. Und in der jetzigen freien Zeit bereite ich das alles für die anderen Stationen vor. Dann muss ich schauen, wann es wieder möglich ist zu reisen und wann wir dann starten können.

Vorletzte Frage: Hast du ein Vorbild? Und wenn ja, warum genau diese Person?

Michi Schreiber Landschaft

Mein Vorbild ist Jane Goodall. Einfach weil ich es erstaunlich finde, wenn man sieht, in welcher Zeit sie aufgewachsen ist und was sie daraus gemacht hat. Mit wie wenig Wissen und Expertise sie damals nach Afrika gegangen ist und was aus der Leidenschaft gewachsen ist.
Bei ihr war es halt andersrum. Sie hatte diesen Traum, dann hatte sie eine Leidenschaft und aus der ist alles gewachsen. Und erst daraufhin ist sie studieren gegangen, hat ihren Master und einen Doktor gemacht und alles aufgebaut.

Für mich ist das einfach ein ganz großes Vorbild. Auch wenn sie andere Lieblingsaffen hat. Sie ist mit ihrer Begeisterung bei den Schimpansen, während ich mein Herz an Paviane verloren habe. Sie ist so ein Vorbild für mich, weil sie zeigt, wie viel man mit Liebe für Tiere erreichen kann. Denn im Endeffekt baut bei ihr alles auf der Liebe für die Tiere auf.
Und zu sehen, wie viel daraus wachsen kann, finde ich so faszinierend.

Ja, sie ist eine unglaubliche Frau. Als ich das erste Mal von dir gehört habe, musste ich auch sofort an sie denken.
Und wie kann man dich unterstützen?

Also wir hatten eine Crowdfunding Kampagne laufen, die ist jetzt aber vorbei.
Aktuell gibt es noch zwei Möglichkeiten: Man kann immer noch spenden. Die Spenden werden gleich weitergeleitet an die Station, in der wir gerade waren, um Auswilderungen zu finanzieren. Man kann ab dem 28.06. Affenpatenschaften übernehmen und die Station, in der wir zuletzt waren, so in Zeiten von Corona entlasten. Damit kommt man dann einmalig für die Verpflegung, Unterkunft und medizinische Versorgung eines Affen auf und bekommt dafür auch noch ein Zertifikat und liebe Affengrüße. Alle Infos dazu gibt es dann auf unserer Homepage.

Und die andere Sache ist wirklich sich vorab zu informieren und so die Vision, die ich im Herzen trage, mitzutragen. Indem man zum Beispiel Leuten, die Freiwilligenarbeit machen wollen, sagt, dass sie sich doch vorher informieren und sich das genau anhören sollten.

Und natürlich, sobald unsere Organisation startet, einfach vor Ort dabei sein und mit anpacken, Gummistiefel einpacken und nach Afrika reisen.

Vielen lieben Dank für das Gespräch. Man merkt, dass du voll dahinterstehst und das ist einfach toll!

Du findest alle Informationen zu dem Volunteering und den Affenpatenschaften auf Michi’s Website. Ihren Podcast findest du auf Spotify, iTunes, Youtube und Anchor.

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