Minimalismus für Fortgeschrittene – Was kommt nach dem Aufräumen?

Minimalismus für Fortgeschrittene

Wenn man sich mit dem Thema Minimalismus anfängt auseinanderzusetzen, fällt der Anfang damit nicht schwer. Man ist total euphorisch, liest mehrere Bücher wie zum Beispiel Simplify Your Life, um Tipps zu sammeln und sein Leben zu entrümpeln. Klassischerweise fängt man mit dem Kleiderschrank an und arbeitet sich dann durch seine ganze Wohnung. Bis man dann irgendwann an dem Punkt angekommen ist: Okay, das Gröbste ist raus, aber ich will weiter machen. Was kommt nach dem Aufräumen? Minimalismus für Fortgeschrittene sozusagen.

Als ich an diesem Punkt war, hat es eine Zeit lang gedauert, bis ich darauf eine Antwort wusste. Damit du gleich ein paar Ideen dafür bekommst, möchte ich dir im Folgenden die Punkte aufzählen, die du nach dem Entrümpeln minimalisieren kannst.

Verinnerliche die minimalistische Einstellung

Bevor wir aber dazu kommen, wo du deinen Minimalismus noch entfalten kannst, ist es ganz wichtige eine Sache zu beachten. Denn es besteht die Gefahr, dass man, wenn man den Platz nach dem Aufräumen hat, diesen mit neuem Zeug wieder zustellt.

Es klingt banal, aber das ist trotzdem nicht zu unterschätzen. Wenn du vorher gerne neue Deko gekauft hast, wirst du das wahrscheinlich weiterhin so machen. Außer du wirst dir dieses Kaufverhalten bewusst und unterlässt dieses.

Damit es dir leichter fällt die minimalistische Einstellung zu verinnerlichen, gibt es noch ein paar Tipps, um das unnötige Anhäufen von neuem Zeug zu verhindern. Denn möchtest du, wenn du einmal deine Wohnung auf den Kopf stellst und aufräumst, nach einem Jahr wieder von vorne anfangen? Wenn deine Antwort dazu ja lautet, ist das natürlich okay, solange du sie bewusst getroffen hast.

Aber wie kannst du das nun verhindern? Am einfachsten ist es, wenn du wirklich nur etwas kaufst, wenn du zu 100% weißt, dass du es brauchst. Das kann zum Beispiel sein, wenn etwas nicht mehr repariert werden kann oder du ein neues Hobby hast und dafür Utensilien brauchst. Aber bevor du es kaufst, lass etwas Zeit vergehen. Vermeide Spontankäufe und überlege dir wirklich gut, ob du das brauchst oder ob du es dir nicht leihen oder andere Alternativen finden kannst.

Es gibt einen Tipp, der besonders gut bei Kleidung funktioniert. So kannst du selber mit dir eine Vereinbarung machen, dass du, wenn du ein neues Kleidungsstück kaufst, dafür ein anderes gehen lässt. So bleibst du automatisch auf dem Stand, den du jetzt hast. Vorausgesetzt du bist mit diesem zufrieden.

Wenn du diese Tipps befolgst, wird sich dein Neuzuwachs an Sachen sehr in Grenzen halten. Klar, es warten noch andere Herausforderungen auf dich, wie zum Beispiel der Geburtstag oder Weihnachten. Am besten kommunizierst du da schon vorher, was du dir wünscht oder nicht wünschst.

Zusammengefasst:

  • Kaufe nur, wenn du es zu 100% brauchst
  • Vermeide Spontankäufe
  • Gibt es Alternativen? (Selbermachen, leihen…)
  • Ein neues Teil rein, ein altes raus
  • Kommuniziere, dass du keine materielle Dinge geschenkt kriegen möchtest

Minimalismus für Fortgeschrittene

Lange habe ich nach Möglichkeiten gesucht noch weiter im Außen zu minimalisieren. Das kannst du auch immer mal wieder machen, aber irgendwann wird es halt doch schwierig. Doch es gibt Möglichkeiten nicht nur im Außen, sondern auch im Inneren zu minimalisieren mit dem Ziel bewusster zu leben.

Dabei gilt es, dass Minimalismus nicht automatisch weniger bedeuten muss. Manchmal wird aus dem Weniger sogar Mehr.

Wohnen

Wenn du vollständig ausgemistet hast, kannst du noch eine weitere Sache verkleinern: Deine Wohnung.

Sei es, dass du von einer 3-Zimmer Wohnung in eine mit zwei Zimmern ziehst. Oder du probierst für ein paar Monate in einem Tiny House zu leben.

Das ist natürlich beides ein großer Schritt und auch mit Stress verbunden. Aber wenn du wirklich viel Platz übrig hast und auch etwas Geld sparen möchtest (zumindest, wenn du in eine kleinere Wohnung ziehst), kann man sich das vielleicht mal überlegen.

Konsum

Dass du im besten Fall auf das Kaufen von neuen Dingen verzichtest, hatte ich ja schon erwähnt. Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit deinen Konsum einzuschränken: Zum Beispiel achtsamer im Umgang mit Medien wie Fernseher, Nachrichten und Co zu sein.

Wie viel Zeit wir alle hätten, wenn wir allein auf das Fernsehen verzichten würden, ist unglaublich! Was würdest du mit der freien Zeit anfangen?

Arbeit, Studium

Wenn du soweit bist und durch den Minimalismus auch merklich Geld sparst, könntest du auch darüber nachdenken deine Arbeitszeit zu verkürzen. Statt Vollzeit auf Teilzeit wechseln. In manchen Betrieben kann man das auch für ein Jahr ausprobieren, danach kann man sich immer noch wieder umentscheiden.

Zum Thema Studium bin ich jetzt einen ähnlichen Schritt gegangen. Ich habe mein Studium für ein Jahr verlängert, sodass ich nebenbei mehr Zeit für andere Projekte habe.

Freunde

Dieser Punkt mag etwas ungewöhnlich erscheinen. Wenn du deine Freunde bewusst gewählt hast und dich bei niemanden von ihnen unterdrückt oder ähnliches fühlst, ist dieser Punkt auch nicht an dich gerichtet.

Es gibt aber Freunde, die tun einem nicht so gut. Das merkt man dann vielleicht nach einem Treffen, wenn man sich so ausgelaugt fühlt. Oder schon währenddessen, wenn diese Freunde einen runtermachen oder dich schlecht fühlen lassen.

Versuche gerne mit ihnen darüber zu reden und ihnen deine Gefühle zu erklären. Wenn du dann auf fehlendes Verständnis stößt oder sich nichts verändert, ist es Zeit diese Freunde gehen zu lassen.

Grüner Minimalismus

Mein absolutes Lieblingsthema, wenn es um Minimalismus geht. Grüner Minimalismus heißt nichts anderes als nachhaltig zu leben. Das heißt, du achtest mehr darauf unverpackt einzukaufen und versuchst schonender und nachhaltiger mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen.

Viele kommen durch den Minimalismus zur Nachhaltigkeit, andere auch durch das nachhaltige Leben zum Minimalismus. Wenn du Tipps haben möchtest, um mit deinem plastikfreien Alltag zu starten, lese gerne meinen Artikel mit 20 Tipps und Tricks dazu.

Digitale Nutzung

Die meisten von uns sind so oft am Handy. Hast du schon einmal deine Bildschirmzeit gemessen? Ich hab mich so erschrocken, wie viel Zeit ich am Handy vergeude und ich dachte ehrlich gesagt, dass ich schon wenig am Handy bin.

Wenn du weißt, wie oft du am Handy bist, ist die Frage: Ist es dir das wert? Falls es dir das nicht ist, sind die ersten Schritte zum Beispiel alle Apps durchzugehen und dich zu fragen, wann du sie das letzte Mal genutzt hast. Wenn es selten ist, kannst du sie beruhigt löschen. Bei Bedarf kann man sie ja immer wieder installieren.

Ein weiterer Schritt ist zum Beispiel alle Benachrichtigungen auszuschalten. Ja, alle. Wenn es etwas wichtiges ist, kann man dich doch auch anrufen oder?

Und etwas was du noch machen kannst, ist dir handyfreie Zeiten einzuteilen. Zum Beispiel am Nachmittag legst du einfach für ein paar Stunden dein Handy in eine Schublade. So gerätst du nicht so leicht in Versuchung raufzugucken. Das ist übrigens besonders hilfreich, wenn du an einer wichtigen Aufgabe arbeiten möchtest.

Gedanken

Wie soll man denn seine Gedanken minimalisieren? Zum Beispiel, in dem du Meditieren lernst, aber es geht auch anders. Minimalismus bedeutet ja auch achtsamer und bewusster zu leben. Also können wir uns darin üben, achtsamer mit unseren Gedanken umzugehen. Vor allem, wenn es in den Gedanken um uns selbst geht.

Wenn du etwas falsch machst, was du denkst du dann? Ich habe mich manchmal dabei ertappt zu denken: „Ach, das war jetzt wieder richtig doof von mir.“ Oder: „Das kannst du doch besser.“

Würdest du so mit einem anderen Menschen reden? Warum tust du es dann mit dir? Wir sind Menschen, wir machen Fehler. Und anstatt uns darüber zum ärgern, können wir ja das nächste mal denken: „Ah okay, so funktioniert das nicht. Dann versuche ich es mal anders.“

Prioritäten

Mehr Zeit statt Zeug. Der Spruch fasst meine Definition von Minimalismus gut zusammen. Also es geht nicht darum, deine Zeit zu minimalisieren. Sondern eher deine Prioritäten, damit du mehr Zeit für die wichtigen Dinge hast.

Wobei das Wort Prioritäten an sich ja schon verkehrt ist. Wenn man Prioritäten, als mehr als eine hat, hat man doch noch eine Priorität? Ich glaube, der ursprüngliche Sinn dieses Wort war, dass man nur eine hat und sich darauf konzentriert. Und vielleicht kannst auch du versuchen, wenn du viel zu viel zu tun hast, dir deine Priorität zu suchen und alles dafür zu machen.

Ein guter Buchtipp dazu, wie du priorisieren kannst und trotzdem nicht das Gefühl hast etwas auf der Strecke zu lassen, ist The One Thing von Gary Keller.

Deine Werte

Auch hier geht es nicht darum, dass du auf Werte von dir verzichten sollst. Sondern eher zu priorisieren. Welche sind die wichtigsten für dich?

Dabei ist es erst einmal wichtig, dass du herausfindest, was für Werte du hast. Du kannst zum Beispiel zu jedem Lebensbereich wie Beziehungen, Freunde, Arbeit, Freizeit usw. die Werte aufschreiben, die wichtig sind. Diese vergleichst du dann alle miteinander und suchst dir dann die drei wichtigsten heraus.

Du kannst dich zum Beispiel bei den Werten Ehrlichkeit und Vertrauen fragen: Ist es schlimmer für mich, wenn jemand unehrlich zu mir ist oder wenn ich kein Vertrauen haben kann?

Wenn du dann die wichtigsten Werte für dich hast, kannst du viel klarer danach leben und auch Entscheidungen treffen.

Dein Lebensziel

Jetzt wo du durch die anderen Punkte so viel mehr Zeit hast und weißt, was dir wichtig ist, kommt der letzte Punkt: Deine Ziele. Was möchtest du erreichen? Warum bist du hier?

Dabei muss man sagen, dass das wahrscheinlich nichts ist, was von jetzt auf gleich passiert. Aber du hast jetzt die Grundlage dafür dich damit beschäftigen zu können, was du erreichen möchtest. Der Prozess kann beginnen und du kannst dein Lebensziel herausfinden und dich darauf fokussieren.

Fazit

Ich hoffe, dass du jetzt weißt, was du mit dem Minimalismus für Fortgeschrittene anfangen kannst und was du nach dem Aufräumen angehen kannst. Aber es ist auch wie bei dem Aufräumen, manche können vielleicht alles auf einmal aus den Schränken holen und an einem Wochenende radikal aufräumen und sich verändern. Ich denke aber, dass das bei den meisten ein Prozess ist, der seine Zeit braucht.

So ist es auch bei dem Minimalismus für Fortgeschrittene. Manche Sachen wie zum Beispiel die digitale Nutzung kannst du gleich angehen, andere brauchen seine Zeit und das ist auch okay.

Allein, dass du begonnen hast dich mit Minimalismus zu beschäftigen und vermutlich auch schon ordentlich entrümpelt hast, ist der Anfang. Damit hast du etwas in’s Rollen gebracht und vieles von dem, was ich hier geschrieben habe, kommt von ganz allein. Du wirst merken, wenn du dafür bereit bist.

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