Wandern auf dem Heidschnuckenweg (mit Packliste)

Heide am Heidschnucken Weg

Im September ging ich das erste Mal für mehrere Tage Wandern. Um genau zu sein, waren es zehn Tage, in denen ich die circa 230km des Heidschnuckenwegs durch die Lüneburger Heide gelaufen bin. Von Hamburg bis nach Celle. Nur mit einem Rucksack bepackt von Unterkunft zu Unterkunft.

Warum der Heidschnuckenweg?

Der Hauptgrund war, dass der Weg relativ nah an meiner Heimat ist. Ich wollte das erste Mal nicht gleich im Ausland wandern, weil ich selbst noch nicht wusste, wie gut ich die Anstrengungen überstehe.

Außerdem haben mir die Bilder von dem Heidschnuckenweg sehr gefallen und ich habe mehrmals gelesen, dass es einer der schönsten Ecken Deutschlands sein soll. Und weil er relativ nördlich ist, gibt es hier kaum Höhenmeter, die überwunden werden müssen.

Also ihr seht, es hatte eher praktische Gründe und ob sich der Heidschnuckenweg letztendlich als lohnend erwiesen hat, könnt ihr dann weiter unten lesen.

Die Vorbereitungszeit

Was muss alles mit?

Da ich vorher noch nie wandern war, hatte ich auch rein gar nichts an Ausrüstung. Also hieß das erstmal, ewig lang im Internet recherchieren, sich in Outdoorläden beraten lassen und dann das Passende für sich finden.

Da dieser Prozess sehr zeitaufwendig ist und nicht jeder Zeit und Lust dazu hat, beschreibe ich dir die einzelnen Komponenten der Ausrüstung, die ich mitgenommen haben und die man mitnehmen könnte.

Natürlich kann das bei jedem etwas anders aussehen. Zum Beispiel hängt es stark davon ab, wann du wandern gehst. Im Juni braucht man logischerweise andere Kleidung als im November. Ich würde dir da aber den Zwiebellook empfehlen, denn trotz aller Eventualitäten solltest du immer das Gewicht im Auge behalten. Alles was du mitnehmen möchtest, musst du ja auch tragen.

Noch zur Info: ich habe in verschiedenen Unterkünften geschlafen und musste somit nicht Schlafsäcke und sonstiges mitnehmen. Wenn du vorhast zu campen, solltest du daran natürlich denken z.B. bei der Größe des Rucksacks.

Ausrüstung und Kleidung

  • Schuhe
    Das Wichtigste an der Ausrüstung. Spar hier nicht am falschen Ende, deine Füße werden es dir danken. Hilfreich ist es, wenn die Schuhe 1/2 bis 1 Nummer größer sind als normal, denn deine Füße werden beim Laufen mehr durchblutet und somit dicker.
    Ob du dir Wanderschuhe, Trailschuhe oder sonstige kaufst, musst du entscheiden. Mir gefallen etwas höhere Wanderschuhe mehr, da du in diesen mehr Halt hast. Ich bin mit meinen von Lowa* einfach mehr als zufrieden.
    Vielleicht nimmst du auch ein zweites leichteres Paar Schuhe mit, um deinen Füßen Abwechslung zu geben und somit Druckstellen zu vermeiden. Ich habe sie aber ehrlich gesagt nicht gebraucht.
  • Rucksack
    Die schwierigste Frage zum Thema Rucksack war für mich, wie groß er sein soll. Mein Deuter Aircontact Lite 35 SL* hat 35 Liter, aber 28 Liter hätten auch gut gereicht. Das hängt natürlich auch davon ab, ob du z.B. noch Schlafsack und Co. mitnehmen möchtest.
    Wenn du einen Rucksack ohne Rucksackhülle hast, kann ich dir als Regenschutz eine Mülltüte empfehlen. Klingt ungewöhnlich, ist aber sehr praktisch und kostengünstig und war bei meiner Wanderung mit dem einen oder anderen Schauer völlig ausreichend. Du steckst die Mülltüte einfach in deinen Rucksack und füllst dann ganz normal deine Sachen hinein und verschließt die Öffnung so, dass kein Wasser hineinfließen kann.
  • Fleecejacke
    Fleece ist deswegen praktisch, da es super atmungsaktiv ist, schön warm hält und dafür noch relativ leicht ist.
  • Regenjacke und -hose
    Da ich im September unterwegs war, war ich so optimistisch und habe nur eine Regenjacke mitgenommen, was auch gereicht hat. Du solltest dir dann noch die Frage stellen, ob du diesen Zweiteiler nehmen möchtest oder einen Regenponcho, der vielleicht sogar über den Rucksack reicht und diesem so nochmal zusätzlichem Schutz bietet.
  • Hose
    Es gibt viele Trekkinghosen, die schön aussehen. Ich besitze leider keine davon, sondern eine ziemlich altmodische. Deswegen hatte ich sie zwar mit, aber habe doch jeden Tag eine Jeans getragen. Ich fand es sehr bequem, da die Jeans auch ziemlich elastisch ist, aber am besten ist es natürlich, wenn du dir eine Trekkinghose aus Nylon holst.
  • Oberteile
    Die beste Wahl sind da Funktions-T-Shirts, wovon ich leider nur eins besitze und deswegen noch drei Baumwolle-T-Shirts mitgenommen habe. Die brauchen zwar länger zum Trocknen, riechen aber nicht so schnell wie T-Shirts aus Kunstfasern.
  • Wandersocken
    Da kann ich dir Socken* mit einem möglichst hohen Merinowollanteil empfehlen. Die kühlen, wenn es warm ist und wärmen, wenn es kalt sind. Außerdem kannst du sie mehrere Tage hintereinander anziehen und sie stinken trotzdem nicht.
  • Funktionsunterhosen
    Auch da eignen sich Unterhosen (für Frauen* und Männer*) aus Merinowolle, da sie auch hier die selben Vorteile bieten.
  • Wasserflasche

Hygiene

  • Zahnbürste und Zahnpasta
  • Shampoo
  • Haarbürste
  • Hirschtalgcreme
    Diese Creme musst du unbedingt mitnehmen, sie ist super. Sie beugt zuverlässig Schwielen und Blasen vor. Ich habe morgens vor dem Wandern meine Füße damit eingerieben und manchmal noch abends und ich hatte nicht eine Blase.
  • (Blasen-)Pflaster
  • Reiseapotheke und kleines Erste-Hilfe Set
  • Reisewaschmittel
  • Kleines Reisehandtuch
    Empfehlenswert, wenn du z.B. wegen der Umwelt nicht in jeder Unterkunft deren Handtücher nutzen möchtest.

Sonstiges

  • Handy + Ladekabel + Kopfhörer
  • Kleines Portemonnaie mit Geld, EC-Karte, Personalausweis und Krankenkassenkarte
  • Evtl. ein Buch
    Ich habe z.B. während des Wandern das Buch „Mein längster Lauf“ von Rosie Swale Pope gelesen, was ich dir hier vorgestellt habe.
  • Tagebuch
    Ein Tagebuch bzw. Notizheft ist wirklich empfehlenswert, denn schon nach ein paar Wochen, vergisst du die Hälfte, von dem, was du während des Wandern erlebt hast. Dafür sind es einfach zu viele Erinnerungen. Außerdem macht es Spaß, in ein paar Jahren sich das Tagebuch noch einmal durchzulesen.
  • Evtl. einen Stoffbeutel
    Ob für Schmutzwäsche oder sonstiges, einen Stoffbeutel kann man immer gebrauchen.

Wandern auf Probe

Wenn du auch noch nicht länger als einen Tag wandern warst, würde ich dir empfehlen eine Art Probewandern über das Wochenende zu veranstalten. Das hat drei praktische Gründe:

  1. Du läufst deine Schuhe ein. Ganz wichtiger Punkt, denn lieber jetzt die Druckstellen haben und dann auf dem eigentlichen Weg perfekt eingelaufene Schuhe tragen. Es dauert ungefähr 60km bis die Schuhe eingelaufen sind und bei mir war das wirklich ein merkbarer Unterschied zwischen dem Probe- und dem richtigen Wandern.
  2. Du lernst deine Ausrüstung kennen. So kannst du dich z.B. ausprobieren, wie du deinen Rucksack am besten packst oder wie viel Kleidung dir reicht, damit es nicht zu warm wird.
  3. Du kannst dich selbst und deine Leistungsfähigkeit einschätzen. Schaffst du 20km am Tag? Mit Gepäck und allem? Es ist nochmal etwas ganz anderes, wenn du deinen Rucksack vollgepackt mit dir rum trägst.

Ich war mit einer Freundin über das Wochenende eine Teilstrecke auf dem Ostseefernwanderweg unterwegs. Das waren ungefähr 60km und wir haben die Nächte über gezeltet und dementsprechend mehr Gepäck gehabt, aber es war einfach eine sehr gute Generalprobe, damit auf dem Heidschnuckenweg nichts schief gehen kann.

Planung ist alles

Dann endlich konnte ich nach der Probewanderung die eigentliche Wanderung durchplanen, denn nun wusste ich, dass ich mir 20km am Tag durchaus zutrauen kann.

Ich habe mich dafür entschieden, die Unterkünfte im Voraus zu buchen, da im September noch Hochsaison sein soll und ich nicht in das Bedrängnis kommen wollte, keinen Schlafplatz zu finden. Natürlich wäre Campen noch eine Variante. Für mich kam sie nicht in die Auswahl, da ich alleine unterwegs war und mich dabei dann doch etwas unwohl fühlte.

Ich habe aber auf dem Weg viele Leute getroffen, die alle die Sache mit der Übernachtung auf verschiedenste Weise handhabten. Es gab welche, die haben sich ein bis zwei Unterkünfte gebucht und sind von dort zu den entsprechenden Etappen mit Auto, Nahverkehr oder Taxi gependelt. Einen Schweizer habe ich getroffen, der ist tatsächlich spontan losgereist und hat immer am Vortag geguckt, wo er die nächste Nacht übernachten kann. Das hat bei ihm auch funktioniert, er musste nur das eine oder andere Mal in den teuren Apfel beißen.

Trotzdem haben alle gesagt, dass es (zumindest für diesen Wanderweg) am besten gewesen wäre die Unterkünfte im voraus zu buchen. Der große Nachteil dabei ist natürlich, dass man so nicht spontan Tag für Tag entscheiden kann, wie weit man läuft, sondern es irgendwie zur nächsten Unterkunft schaffen muss.

Aber um z.B. spontan die Unterkünfte zu suchen, wird es ab der zweiten Hälfte des Weges problematisch, da viel weniger Unterkünfte am Wegesrand sind und der Nahverkehr vergleichsweise schlecht ausgebaut ist. Ich würde dir also auf jeden Fall dazu raten, dich eingehend im Voraus damit zu beschäftigen, was für dich die beste und entspannteste Wahl ist.

Unterwegs auf dem Heidschnuckenweg

Der Start

Dann ging es endlich los. Die erste Etappe des Heidschnuckenwegs war für mich einer der schönsten Abschnitte, was aber sicher auch an dem schönen Wetter mit dem Morgentau über der Heide und an meiner Euphorie lag. Leider wurde die gleich etwas getrübt als ich das erste Paar traf und die meinten, dass dieses Jahr die Heide schon früh verblüht ist, denn normalerweise wäre sie jetzt noch im kräftigen Lila. Da ich vorher noch nie in der Heide war, war mir das Lila aber trotzdem kräftig genug und ich fand die lila Weite sehr schön.

Heidschnuckenherde

So gut wie jeden Tag bin ich dann durch eine Heide gelaufen und jede war ein bisschen anders, sodass der Anblick nicht langweilig wurde. Zwischendurch waren dann viele Pfade, die durch den Wald führten, was zusätzlich für Abwechslung sorgte.

Highlight war das Radebachtal, was mit am Abstand auch am belebtesten war. Überall Fahrradfahrer, Kutschen und Wanderer. Dafür kann man hier Wilseder Rinder und Dülmener Wildpferde sehen, die sich um die Heide kümmern sollen. Ich habe die Pferde tatsächlich zwischen den Bäumen sehen können.

Nach dem Radebachtal ging es dann auf den höchsten „Berg“ des Weges. Der Wilseder Berg mit 169m, also wirklich fast nichts, aber der Ausblick war trotzdem sehr schön.

Die goldene Mitte

Die Hälfte war dann in Soltau geschafft. Die Etappe dahin war sehr lang, denn auch wenn man schon ein paar Tage immer um die 20km gegangen ist, sind 30km noch einmal etwas ganz anderes. Was ich aber ganz witzig fand: man geht auf dem Wag nach Soltau direkt über den Parkplatz des Heideparks. Also wenn man darauf Lust hat, kann man sich dort einen Tag frei nehmen und den im Heidepark verbringen. Wäre tatsächlich eine Überlegung wert gewesen 😀

Auch wenn es sehr ungewöhnlich war über den Parkplatz zu gehen, muss ich sagen, dass der Heidschnuckenweg sonst sehr diskret durch die Städte durchgeht. Klar, dass man mal durch den Stadtkern läuft, obwohl das auch nur ein paar Mal der Fall war, aber ansonsten bleibt man sehr im Grünen, also in Parks, was ich wirklich angenehm fand.

Der letzte Abschnitt

Im letzten Teil bin ich vermehrt mit anderen Wanderern Teilstrecken zusammen gegangen, um etwas Unterhaltung zu haben. Ich möchte nicht sagen, dass dieser Teil eintönig wird, aber im Gegensatz zur ersten Hälfte ist es nichts mehr all zu besonderes. Das kann natürlich daran liegen, dass das Wetter auch nicht mehr so schön war und ich wegen der Vorfreude auf Zuhause es kaum erwarten konnte, es geschafft zu haben. Aber Fakt ist auch, dass es wesentlich weniger Heiden gibt.

Highlight war aber auf jeden Fall die Heidschnuckenherde, die ich dann endlich gesehen habe. Alle Wanderer, die ich getroffen habe, waren schon so enttäuscht, dass man bis jetzt keine Schafe gesehen hat, aber dann am vorletzten Tag war es soweit. Die Herde war sogar richtig groß, um die 1000 Tiere und der Hirte war ein älteren Mann mit einem richtig süßen Hirtenhund. Also so wie man es sich vorstellt.

In Celle endet der Weg dann am Schloss. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, vielleicht ein Schild, wo drauf steht: Du hast es geschafft 😀 Aber da war leider gar nichts, was natürlich nicht weiter schlimm war. Ich blieb noch einen Tag in Celle, was ich dir auch raten kann, denn es ist eine echt schöne Stadt.

Abwechslungsreiche Unterkünfte

Einen Bauwagen als Schlafplatz

Bei den Unterkünften war tatsächlich alles dabei. Ob ein richtiges Hotel, ein Gasthof, ein Biohotel, ein ausgebauter Dachboden auf einem Bauernhof, einem Zimmer in einem Privathaus oder sogar ein Bauwagen. Alles war dabei und die Qualität ging von gut bis sehr gut.

Ich würde dir auf jedem Fall raten, immer wenn es geht, mit Frühstück zu buchen. Man geht morgens einfach ganz anders los, wenn man ordentlich etwas gegessen hat. Manchmal kann man sich sogar ein Brötchen als Snack mitnehmen.

Die Menschen auf dem Weg

Ich hatte ein bisschen unterschätzt, wie viele Menschen man während des Wandern trifft. Also nicht unbedingt nur auf dem Weg, sondern auch in den Orten und Unterkünften. Das ist überhaupt nicht negativ gemeint, ich fand das so schön diese unterschiedlichen Menschen zu treffen. Jede Begegnung hat mich motiviert weiterzulaufen und mir gezeigt, warum ich das hier mache.

Wenn man es nicht möchte, ist man auf dem Heidschnuckenweg auch nicht einsam unterwegs. Es ergab sich öfter die Gelegenheit mit jemanden ein Stück mitzuwandern und ich bin die letzten Tag sogar regelmäßig mit einem Schweizer unterwegs gewesen (der einzige in meinem Alter).

Aber auch in den Unterkünften waren so nette Menschen. In dem einen Hotel kam ich am Morgen durch Zufall mit der Empfangsdame und einem anderen Gast ins Gespräch und als ich von meinem schmerzenden Knie erzählte, hat sie mir kurzerhand Pferdesalbe gegeben.

Ich hatte keine einzige schlechte Erfahrung, auch wenn ich das öfter gefragt wurde, und allein wegen diesen unzähligen positiven Begegnungen und Erfahrungen bin ich froh, das gemacht zu haben.

Fazit

Der Heidschnuckenweg ist vor allem für unerfahrene Wanderer genau das Richtige. Er führt durch wunderschöne Abschnitte und es ist auch einfach mehr als angenehm ihn entlangzuwandern, da er top ausgebaut ist. Ich habe mich nicht einmal verlaufen, weil an jeder Weggabelung ein Zeichen war, wo es weiter geht. Und immer wenn man dachte: „Bin ich noch richtig?“, kam wieder ein Zeichen.

Ich habe leider keinen Vergleich mit anderen größeren Wanderwegen, aber ich denke, dass es normal ist, dass beim Wandern nicht jede Etappe einen total beeindrucken kann. Weil mir aber aufgefallen ist, dass sich besonders die zweite Hälfte abschnittsweise in die Länge zieht, würde ich jedem empfehlen den Heidschnuckenweg „von hinten“ anzufangen. Also in Celle zu starten und dann in Hamburg aufzuhören. Denn die erste Hälfte ist auf jeden Fall schöner. Hier ist die offizielle Seite des Heidschnuckenwegs, wo du auch alle Einzelheiten zu den Etappen findest.

So viel zum Weg. Aber auch das Wandern an sich war eine sehr schöne Erfahrung. Also wenn du überlegst auch mal zu wandern, dann mach das. Du wirst so viel erleben und es macht auch echt Spaß aus dem normalen Alltag zu verschwinden und seinen eigenen kleinen Wanderalltag aufzubauen. Ich kann den Heidschnuckenweg dafür nur empfehlen.

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4 Gedanken zu „Wandern auf dem Heidschnuckenweg (mit Packliste)“

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