Wege zum Gleichgewicht von Al Gore

Al Gore - Wege zum Gleichgewicht

Es gibt viele Ansätze und Ideen die Welt zu retten oder zumindest ein bisschen zu verbessern. Für mich ist diese Anzahl an Möglichkeiten oft überwältigend, vor allem in Anbetracht der Dringlichkeit diese umzusetzen. Es gibt so vieles, was falsch läuft und was verändert werden muss und vieles scheint außerhalb unserer Reichweite zu liegen.

Trotzdem finde ich es gut und wichtig sich mit diesen Themen auseinander zu setzen und eben nicht die Augen zu verschließen. Ein Buch, was mir sehr dabei geholfen das sogenannte Big Picture über die Situation zu bekommen ist von Al Gore: Wege zum Gleichgewicht.

Wer steckt hinter dem Buch?

Vielleicht sagt dir der Name Al Gore sogar etwas. Bei mir am Anfang ehrlich gesagt nicht, doch dieser Mann ist nicht unbekannt oder unbedeutend. Er hat sich zweimal für die Präsidentwahl in den USA vorgestellt und war sogar eine zeitlang Vizepräsident. Neben der Politik setzt er sich außerdem und immernoch für die Umwelt ein und hat 2007 für seine Bemühungen Wissen über den Klimawandel zu verbreiten den Friedensnobelpreis bekommen. Es lohnt sich, sich weiter über ihn zu informieren. Er ist eine interessante Schnittstelle zwischen Poltik und Umweltschützer.

Außerdem hat er zwei Dokumentationen und diverse Bücher zu diesem Thema veröffentlicht. Sein erstes Buch ist Wege zum Gleichgewicht und schon 1992 erschienen. Warum ich das vorstelle und nicht eines seinen neueren und sicherlich auch aktuelleren Büchern? Zum einen, weil mir das als erstes in die Hand gefallen ist, aber zum anderen weil es eben doch leider immer noch hoch aktuell ist. So gut wie alles in diesem Buch ist auch noch heute ein Problem.

Für wen ist dieses Buch?
Das Buch gibt einen kompakten Überblick zum Thema Klimawandel inklusive Lösungen. Wenn dich der Einstieg und eine Zusammenfassung der Thematik interessiert, empfehle ich dir dieses Buch sehr.

Was erwartet dich in Wege zum Gleichgewicht?

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt. Auch wenn der Untertitel des Buches „Ein Marschall Plan für die Erde lautet“ (in Anlehnung an den Marshallplan, der damals nach dem Zweiten Weltkrieg als ein Plan für den Wiederaufbau von Europa gedacht war), so geht es in Wege zum Gleichgewicht größtenteils doch um die Problematik und Folgen des Klimawandels.

Folgen des Klimawandels

Der erste Teil des Buches handelt nur von Ereignissen, die deutlich zeigen, wie weit fortgeschritten der Klimawandel schon ist und welche Spuren hinterlässt. Das ist auch der Teil in dem Buch, der einen ziemlich hoffnungslos hinterlässt. Vor allem wenn man im Hinterkopf hat, dass das Buch fast 30 Jahre alt ist und nur noch mehr Probleme dazugekommen sind. In meinem doch leicht naiven Denken war mir nicht bewusst, dass es auch damals schon so schlimme Auswirkungen gab.

Ein bekanntes Beispiel ist der Aralsee. Es war mal der viertgrößte Binnensee auf der Welt, fast so groß wie Bayern und ein sehr fischreiches Gewässer. Schwankungen in der Größe waren schon immer normal, weswegen das Problem erst relativ spät erkannt wurde. Ursache für das schrumpfende Wachstum war, dass große Felder mit Baumwolle bepflanzt wurden und deswegen den Flüssen große Wassermengen entnommen wurde, um diese Felder bewässern zu können. Diese Flüsse sorgten aber eigentlich dafür, dem Aralsee Wasser zuzuführen. Aufgrund der geringeren Wasserzufuhr schrumpfte der Aralsee zunehmend.

Heute gibt es noch einen nördlichen und einen südwestlichen Aralsee. Doch durch einen Damm, der gebaut wurde, um den nördlichen Aralsee zu retten – was auch funktioniert, denn der See wächst und viele Fische sind zurückgekehrt – hat man den südöstlichen und größeren Teil aufgegeben. Denn dort kommt wegen des Damm kein Wasser mehr hin. Auch dort werden Versuche gestartet, um den See zu retten, doch der große, ursprüngliche Aralsee wird nicht zurückkommen. Hier findest du mehr Informationen dazu und auch Bilder, die das Ausmaß der Schrumpfung zeigen.

Was läuft falsch und kann (oder muss) verändert werden?

Nach diesem erschreckenden Teil mit vielen Beispielen kommt der Teil, der einen etwas besser fühlen lässt. Nicht weil er optimistischer ist, sondern weil es hier um Dinge geht, die falsch laufen und die man ändern kann. 

Al Gore sieht hier eine Notwendigkeit in einem Umdenken bei den Menschen. Sowohl bei dem Einzelnen als auch in der Politik und in der Ökonomie.

Es erfordert ein Umdenken bei den Menschen

Der Einzelne an sich kann vielleicht nicht alleine die Welt retten. Aber in dem wir Bewusstsein schaffen und uns engagieren kann man viel erreichen und mehr Menschen überzeugen.

In diesem Zusammenhang gibt es einen wichtigen Punkt anzusprechen, denn ich habe oft das Gefühl, dass eine Frage im Raum steht, die man sich kaum traut zu stellen: Ist es noch möglich die Welt zu retten?

Und ich traue mich tatsächlich auch nicht auf diese Frage zu antworten. Letztendlich ist es auch nicht wichtig, denn wenn wir keine Hoffnung mehr hätten, warum dann leben? Wenn wir es nicht mal mehr versuchen würden, weder bei uns selber, in dem wir umweltbewusster leben oder indem wir im Großen versuchen etwas zu verändern, welchen Sinn hätte es? Zu viele Menschen verschließen die Augen vor den Katastrophen und ja, noch sind sie auch weit weg und uns bleiben wohl auch noch Jahre, in denen wir ein unbehelligtes Leben leben können.

Aber gibt es uns das Recht die Augen zu verschließen? Wir sind mit Schuld an dem Klimawandel, Deutschland hat eines der größten CO2-Fußabdrücke der Welt. Auch meiner ist immens viel größer als ich dachte. (Deinen kannst du hier nachrechnen lassen.) Ja, es sind nur ungefähre Werte, aber sie zeigen trotzdem, welches Ungleichgewicht doch herrscht. Es wäre ignorant die Augen zu verschließen und nichts dagegen zu tun. Und das erste, was wir tun können, ist Verantwortung zu übernehmen. Wie gesagt, wir können nicht alleine die Welt retten, aber wir können ja schon mal damit anfangen.

Das kann mit kleinen Dingen wie Plastikvermeidung sein, aber dann auch weiter gehen, in dem man sich in der Politik engagiert. Gerade Al Gore ist für mich ein faszinierendes Beispiel, wie das geht. Er ist politisch sehr aktiv und auch erfolgreich und trotzdem oder gerade deswegen ist er auch ein bekannter Umweltschützer. Mit seiner Arbeit hat er einen großen Beitrag geleistet, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.

Die dysfunktionale Beziehung zur Umwelt

Auch in der Wirtschaft sieht Al Gore die Notwendigkeit eines Umdenkens. Unternehmen müssen die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Sie dürfen nicht einfach die Umwelt ausräuben oder schädigen ohne es wieder gutzumachen.

Letztendlich zeigt das alles, wie verquert unsere Beziehung zur Natur ist. Al Gore nennt diesen Zustand Dysfunktionalität in Anlehnung an dysfunktionale Familien, in der es Regeln gibt, die unhinterfragt von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese Metapher erklärt Al Gore ausführlicher in seinem Buch. Ich finde, das ist ein sehr interessanter Ansatz, um erklären zu können, warum wir so auf eine Ausbeutung geprägt sind.

Was es für uns in Bezug zur Umwelt bedeutet, ist, dass wir uns mit diesen ungeschriebenen Regeln, die seit Jahren herrschen, auseinander setzen und sie hinterfragen müssen. Und dass wir es selber annehmen und entschuldigen können, dass es jahrzehntelang falsch gelaufen ist. Nach Al Gore schaffen wir es so aus den dysfunktionalen Mustern auszubrechen und neue heilende Muster zu schaffen.

Der Marshallplan für die Erde

Der letzte Teil seines Buches ist nun der Marshallplan. Hier stellt Al Gore konkrete Wege vor, die dabei helfen das Gleichgewicht wiederherzustellen. Er hält die Vorschläge relativ allgemein, aber zu jedem Punkt erklärt auch die Rolle, in der er die USA sieht. Leider nur die Rolle der USA, da Al Gore auch dort lebt und arbeitet, aber dennoch kann man sich daraus auch Lösungen für Deutschland und Europa ableiten.

Beim Lesen war ich sehr erschrocken darüber, dass die Punkte auch heute noch Relevanz haben und meiner Meinung nach kaum bis gar nicht umgesetzt wurden.

Aber das lest lieber selber in dem Buch.

Fazit

Wege zum Gleichgewicht ist ein sehr umfangreiches Buch zum Thema Klimawandel, was trotz seines Alters noch heute seine Relevanz und Berechtigung hat. An manchen Stellen merkt man dem Buch sein Alter an, wenn es zum Beispiel um das Verbot von FCKW geht und auch die Zahlen, die dort vorgestellt werden, sind natürlich nicht mehr aktuell.

Mir war das aber auch nicht so wichtig, da ich nach einem Überblick zu dem Thema Klimawandel im globalen Zusammenhang gesucht habe und auch in diesem Buch gefunden.

Das Buch hat mich darin bestärkt nicht nur in meinem eigenen Kämmerlein auf Plastik zu verzichten bzw. hat mir klar gemacht, dass das allein auch gar nicht reicht. Es muss weit mehr gemacht werden und auch Politik und Wirtschaft müssen angestoßen werden. Für viele mag das logisch erscheinen, doch mir wurde es tatsächlich erst nach dem Lesen dieses Buchs klar. Deswegen empfehle ich es dir auch, wenn du einen Einstieg suchst, um dich mehr mit den globalen Auswirkungen des Klimawandels beschäftigen zu können. Und die möglichen Lösungen, die Al Gore dafür gefunden hat.

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